Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im April 2008

Apr 20th, 2008 | By pressrelations | Category: Finanzen
Berlin (pressrelations) -
Die wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik Deutschland im April 2008
Das Wachstum hat sich aller Voraussicht nach im ersten Quartal dieses Jahres, angetrieben durch die dynamische Entwicklung in der Industrie und im Bauhauptgewerbe, beschleunigt. Hiervon gehen auch die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute in ihrer gerade vorgelegten Frühjahrsdiagnose aus. Der Arbeitsmarkt profitiert durch eine anhaltende Expansion der Beschäftigung und eine deutlich rückläufige Arbeitslosigkeit. Für die kommenden Monate zeichnet sich gleichwohl eine moderatere Entwicklung ab. So dürften nach dem milden Winter die üblichen Wachstumsimpulse aus der Frühjahrsbelebung entsprechend schwächer ausfallen. Zudem deutet die seit einigen Monaten schwächere Bestelltätigkeit in der Industrie auf eine langsamere Gangart der Konjunktur hin. Die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven bleiben, nach den binnenwirtschaftlichen Indikatoren zu urteilen, per saldo aber weiterhin recht positiv. Mit der sich immer deutlicher abzeichnenden Schwächephase in den USA treten die weltwirtschaftlichen Belastungen und Risiken zunehmend hervor. So hat der Internationale Währungsfonds seine jüngste Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft deutlich nach unten revidiert. Mit den andauernden Problemen der US-Hypothekenkrise, der deutlichen Verschiebung der Währungsrelationen und dem weiteren Anstieg der Rohöl- und Nahrungsmittelpreise haben sich die konjunkturellen und preislichen Risiken erhöht.
Das Produzierende Gewerbe legte - auch begünstigt durch die milde Witterung in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres - wieder an Dynamik zu. Die Industrieproduktion stieg drei Monate in Folge, zuletzt im Februar preis- und saisonbereinigt [2] um 0,3%. Sie erhöhte sich damit im Zwei- und Dreimonatsvergleich [3] deutlich um 1,9% bzw. 2,4%. Besonders kräftige Zuwächse verzeichnete die Bauproduktion. Sie wurde im Februar noch einmal um 3,7% ausgeweitet, nach +11,4% im Januar. Die Perspektiven für das Produzierende Gewerbe bleiben recht günstig. Die Stimmung in den Unternehmen ist zuversichtlich und hat sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres sogar wieder verbessert, wobei Lage- und Erwartungskomponente beim ifo-Konjunkturtest nach wie vor stark auseinanderfallen. Die Auftragseingänge schwächten sich dagegen nach einem ungewöhnlich starken Anstieg im Herbst drei Monate in Folge ab. Sie nehmen damit im Zweimonatsvergleich ab (-1,5%), im Dreimonatsvergleich blieben sie aber positiv (+0,9%). Stützend wirkte hier die anhaltend robuste Bestelltätigkeit aus dem Inland bei leichtem Rückgang der Auslandsbestellungen. Alles in allem spricht dies für eine weiter aufwärts gerichtete, wenngleich etwas moderatere Entwicklung der Industrieproduktion. Die Bestellungen im Bauhauptgewerbe entwickeln sich aufgrund von Großaufträgen derzeit äußerst volatil. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich nimmt das Ordervolumen zu (November/ Dezember/ Januar gegenüber August/ September/ Oktober: +3,3%). Eine Stimmungsaufhellung ist im Bauhauptgewerbe bislang allerdings nicht zu verzeichnen. Wenngleich die Frühjahrsbelebung im Bau angesichts des milden Winters im laufenden Jahr weitgehend ausbleiben dürfte, sollten der anhaltende Aufschwung der Anlageinvestitionen und die verbesserte Lage der öffentlichen Haushalte weiter für Impulse sorgen.
Der private Konsum hat sich bislang noch nicht belebt. Zuletzt sorgte der beschleunigte Preisauftrieb insbesondere bei Energie und Nahrungsmitteln für Kaufkraftentzug. So ging das Umsatzvolumen im Einzelhandel - ohne Handel mit Kraftfahrzeugen und Tankstellen - nach der Erholung im Januar (+0,9%) im Februar nach vorläufigen Angaben erneut deutlich um 1,6% zurück. Leicht positive Impulse kommen dagegen derzeit vom Handel mit Kraftfahrzeugen, die durch einen Anstieg der Neuzulassungen für Personenkraftwagen im ersten Quartal dieses Jahres begleitet werden. Auch die tendenzielle Zunahme der Inlandsbestellungen der Konsumgüterproduzenten spricht für eine Belebung der Einzelhandelsumsätze. In die gleiche Richtung weist auch das ifo-Geschäftsklima für den Einzelhandel, das sich nach sprunghafter Aufhellung im Februar zuletzt im März nur leicht eintrübte. Das Konsumklima deutet dagegen eine noch eher abwartende Haltung der Verbraucher an. Angesichts der anhaltend guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und verbesserter Einkommensperspektiven dürfte sich der private Konsum mit der zu erwartenden allmählichen Beruhigung des Preisauftriebs beleben.
Der Aufwärtstrend der nominellen Warenausfuhren setzt sich trotz Stagnation im Februar (-0,0 %) mit robustem Tempo fort. Im Zwei- und Dreimonatsvergleich stiegen die Ausfuhren saisonbereinigt spürbar an (+2,9% bzw. +1,2%). Auch die Vorjahresstände werden weiter deutlich überschritten (Februar: +9,0%, Ursprungswert). Die nominellen Einfuhren gingen im Februar leicht zurück (-0,4%). Aufgrund der starken Anstiege im Dezember und Januar bleibt die Einfuhrdynamik im Zwei- und Dreimonatsvergleich aber kräftig (+6,5% bzw. +5,8%). In der Perspektive haben die Belastungen für die Außenhandelsentwicklung allerdings weiter zugenommen. Nach der jüngsten Prognose des Internationalen Währungsfonds dürfte sich das Wachstum der Weltwirtschaft deutlicher abschwächen, als bislang angenommen. Darüber hinaus dürfte sich absehbar auch die Aufwertung des Euro in der Exportentwicklung bemerkbar machen. Auch die auf kurze Sicht ausgerichteten Indikatoren deuten insgesamt auf eine Abschwächung der Dynamik hin.
Der Arbeitsmarkt entwickelt sich dank der anhaltend robusten Konjunktur und begünstigt durch die milde Witterung ausgesprochen lebhaft. Die Zahl der Erwerbstätigen (Inlandskonzept) erhöhte sich im Februar saisonbereinigt um 57.000 und damit etwas stärker als im Durchschnitt der letzten sechs Monate (+ 52.000). Mit 39,63 Mio. Personen (Ursprungszahl) nahm die Erwerbstätigkeit binnen Jahresfrist um 532.000 Personen zu. Die registrierte Arbeitslosigkeit ging von Februar auf März um 110.000 auf 3,507 Mio. Personen (Ursprungszahl) zurück. Saisonbereinigt verringerte sich die Zahl der Arbeitslosen um 55.000, nach bereits -74.000 im Februar. Die Frühjahrsbelebung fiel damit trotz des zuvor geringen Aufbaus der Winterarbeitslosigkeit relativ kräftig aus. Darüber hinaus wirkten sich zuletzt die Arbeitsmarktpolitik, das neue Saison-Kurzarbeitergeld sowie das weiterhin leicht rückläufige Arbeitskräfteangebot entlastend aus.
Der Preisauftrieb bleibt weiter kräftig. Der Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich im März sogar nochmals auf 3,1%, nach +2,8 % im Februar. Hierbei wirkte sich allerdings die Lage der Osterfeiertage aus. Die Entwicklung der Verbraucherpreise wird vor allem durch die spürbaren Preiserhöhungen für Haushaltsenergie und Kraftstoffe sowie von Nahrungsmitteln beeinflusst. Ein zentraler Risikofaktor für die Preisentwicklung bleibt die Lage auf den Rohstoffmärkten sowie insbesondere die Entwicklung des Rohölpreises. Der Rohölpreis notierte zuletzt durchweg über 100 US-Dollar je Barrel (Sorte Brent) und erreichte Mitte April mit 112 US-Dollar sogar ein neues Rekordniveau. Er dürfte derzeit spekulativ überzeichnet sein.
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