Was ist Liebe?

Dez 21st, 2007 | By Robi | Category: Liebe und Erotik

Welcher nachdenkliche Mensch hat sich nicht schon diese Frage gestellt … Und selten darauf eine Antwort gefunden. Sicher, es gibt Menschen, die sagen, dass sie ihren Partner lieben und denen man es auch abnimmt. Noch seltener scheint es die beiderseitige Liebe zu geben, zumindest verliert einer von beiden im Laufe der gemeinsam verlebten Jahre oft das Interesse am anderen. Ist dieses nun biologisch bedingt, wie viele Wissenschaftler meinen? Warum gibt es dann jedoch auch Liebesbeziehungen die zwei Menschenleben lang anhalten? Sicher, es können einfach wirtschaftliche Interessen, Bequemlichkeit, Angst vor dem Alleinsein und viele andere Gründe dahinterstehen. Aber es gibt sie wirklich, zumindest habe ich einige Paare erlebt, die sich wirklich zu lieben scheinen und das seit Jahrzehnten. Ich merke es an ihrem Umgang miteinander, in dem zwar das Wort Liebe nicht vorkommt, jedoch sie sich immer mit Respekt behandeln, keiner den anderen verletzt, ihn nicht vor anderen lächerlich macht und einer zum anderen steht. Außerdem spürt man auch die erotische Komponente, die sie als Mann und Frau verbindet.

LiebespaarAls eine Gemeinsamkeit solcher Liebesbeziehungen glaube ich herausgefunden zu haben, dass beide Partner, jeder einzelne für sich sehr selbständig und in keiner Weise auf den anderen angewiesen ist. Es gibt keine wirkliche Abhängigkeit, beide sind seelisch, körperlich und finanziell selbständige Persönlichkeiten. Ich bin der Meinung, dass nur auf dieser Grundlage eine glückliche und dauerhafte Liebe gedeihen kann. Wenn ich glaube, alles miteinander teilen zu müssen, jeden Gedanken, stets alles ausspricht, als sei der andere einer Erweiterung meiner selbst, dabei gedankenlos über die Bedürfnisse des anderen hinweggehe, schadet das meiner Meinung einer Liebe auf Dauer. Jeder sollte noch seine eigene Welt haben und sich mehr oder weniger gelegentlich mit der Welt des anderen kreuzen. So bleibt einer für den anderen immer interessant, wenn man im Laufe der Jahre immer wieder Neues am anderen entdeckt. Nur dies kann das Feuer der Liebe am Leben erhalten – die Neugier auf den anderen. Worte sind das eine, Taten das andere. Wenn jemand ständig das Wort Liebe auf den Lippen trägt, wird es inflationär, verliert seinen Wert. Je seltener es gesagt wird, um so kostbarer ist seine Bedeutung. Eine weitere Grundlage ist Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit dem Partner gegenüber. Ehrlichkeit heißt aber keineswegs, dass man nicht übergewisse Dinge schweigen sollte. Er (sie) muss nicht alles wissen, es entscheidet immer der Moment, ob etwas ausgesprochen werden sollte oder es doch lieber im Inneren weiterruhen sollte, bis der Tag kommt, an dem es gut wäre oder zumindest nicht von Schaden, es auszusprechen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist vielleicht, dass kein Besitzanspruch auf den Partner besteht.

Allerdings wiederum wäre es fatal, wenn einer den anderen machen ließe, was er wolle, jedenfalls unkommentiert. Wenn sie glaubt, noch des öfteren allein in die Disko gehen zu müssen kann es schon sein, dass sie ihn nicht liebt, oder sie einen Mangel in der Beziehung empfindet, den sie dort zu kompensieren versucht. Sie wird dort wahrscheinlich Bestätigung finden, vielleicht auch einfach nur mit Freunden reden wollen – so man das bei der Lautstärke dort überhaupt kann. Ist ihr Freund kein Diskoliebhaber, kann so eine Beziehung auf Dauer nicht gut gehen. Eine wichtige Basis einer dauerhaften Partnerschaft sind nämlich gemeinsame Interessen, vor allem natürlich auch gemeinsame Werte. Wenn der eine sehr unterhaltungsbedürftig ist, sei es, weil er zu jung ist oder aber auch, weil sein Charakter es so verlangt, und der andere ist genau das Gegenteil, wird der andere sehr leiden müssen, der Vergnügungen Suchende sich immer durchsetzen, denn sein Wunsch nach Zerstreuung und Amüsement ist sehr stark. Diese Persönlichkeit soll jetzt hier nicht negativ dargestellt werden, sondern es soll dem Leser bewusst werden, dass der Interessensunterschied in dem Fall so groß ist, dass eine dauerhafte Beziehung nicht möglich sein kann. Wer sehr gerne unterwegs ist, sollte sich jemanden suchen, der dieselbe Lust zum Ausgehen und Amüsement verspürt wie er. Natürlich sollte auch nicht alles übereinen Kamm geschoren werden, es gibt vielleicht Ausnahmen, in denen beide dem jeweils anderen genug Raum lassen, seinen Interessen nachzugehen und ein jeder mit den Bedürfnissen des anderen sich arrangieren kann. Dann ist das auch gut so. Sobald jedoch einer der beiden zu leiden beginnt, weil ihm etwas fehlt und der andere es ihm nicht geben kann, weil er darüber einfach nicht verfügt, sollten sie sich selbst und/oder ihre Beziehung infrage stellen. Jeder hat ein Anrecht, glücklich oder wenigstens zufrieden innerhalb seiner Partnerschaft zu leben – allerdings kein Recht, den anderen zu verbiegen auf dass er glücklich sei. Leider ist es in der Realität ja oft so, dass gerade Frauen meinen, den Partner auf ihre Bedürfnisse hin „bearbeiten“ zu müssen – mit der Folge, dass die Männer entweder die Flucht ergreifen, in dem sie fremd gehen sich dort die Bestätigung holen, die ihnen zu Hause fehlt oder eine Mauer des Schweigens um sich errichten oder die Frau ganz verlassen. Sicher ist nicht nur ein solches Verhalten die Ursache für das Verhalten des Mannes, sondern die Gründe können auch in ihm selbst liegen, nur leider hat die Frau es nicht rechtzeitig wahrgenommen beziehungsweise geglaubt, dass es in ihrer Macht steht, ihn ändern zu können – ein Irrtum, den schon Millionen Frauen in den letzten Jahrzehnten aufgesessen sind. Man kann keinen Menschen ändern, er ändert sich von selbst, wenn er es so will. Vielleicht kann er die Motivation dazu erhalten, aber nur sein Wunsch ist entscheidend dafür – das Fatale dabei ist nur, dass die meisten Menschen sich gar nicht ändern wollen, jeder möchte doch so geliebt werden, wie er ist, dann fühlt er sich verstanden, aufgehoben und geborgen. Sich selbst ändern kann man jedoch, jedenfalls in einem gewissen Maße. Aus einer Partynudel wird nie ein einsames Mauerblümchen und umgekehrt – wer wollte das auch schon. Es ist wichtig, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, wenn es auch manchmal schwer fällt. Leichter wird es vielleicht, wenn man daran denkt, dass man selbst ja auch angenommen werden will, wie man ist.

Zu guter letzt noch das aufregendste und intensivste Gefühl in der Beziehung zwischen Mann und Frau: das Begehren. Nicht selten wird dies als Liebe interpretiert, weil eine starke emotionale Hingezogenheit zum anderen besteht. Hier entscheidet sich allerdings schon oft nach wenigen Wochen, spätestens wenigen Monaten, wohin die Beziehung gehen wird – ganz abhängig vom Verhalten der beiden zueinander. Jedoch kann Liebe nur in einem Zustand der bewussten Wahrnehmung des anderen entstehen, in der Erkenntnis über sein Wesen, so wie es sich bislang offenbart hat. Es sollten die eigenen Ansprüche an die Beziehung, den Partner reflektiert und überdacht werden – lassen sie sich mit seinen Wünschen und Bedürfnissen vereinen? Gut wäre es, man täte dies gleich am Anfang einer Beziehung, bevor man mit einander schläft, denn dann wären viele Verletzungen vermeidbar. Der andere gibt genug Hinweise, die, wenn man sie hinterfragt bzw. ihn daraufhin genauer beobachtet oder ihm noch besser zuhört, seine Persönlichkeit offenbaren. Größere Irrtümer dürften dann späterhin eigentlich kaum auftreten. Sicher ist das sehr schwierig, der Wunsch nach körperlicher Vereinigung wohnt wohl jedem gesunden Menschen inne, er ist ein Produkt der Natur der Lebewesen, der Zwang zur Fortpflanzung um den Erhalt seiner Art wegen. Hier werden vielleicht viele innerlich aufschreien, sei es aus christlich-religiösen Gründen oder aber einfach nur wegen der Romantik – jedoch, der Trieb hat uns fest in seiner Hand, so lange wir fortpflanzungsfähig sind, nur entscheiden, wie wir ihn ausleben, das kann der gesunde Mensch selbst, wenn er auch ein wenig Selbstbeherrschung dazu braucht. Das soll jetzt kein Plaidoyer für Enthaltsamkeit sein, sie entspricht nicht dem Wesen des Menschen, allerdings könnte vielleicht eine überhöhte Anzahl von sexuellen Kontakten wechselnden Partnern zu einer inneren Leere führen – wenn sie nicht schon dazu dient, diese auszufüllen.

Hier sollen meine Ausführungen zu diesem Thema erst einmal enden und ich hoffe, den Leser damit nicht gelangweilt zu haben. Ich bin wohl keine Expertin in Sachen Liebe, jedoch denke ich gern über alle möglichen Themen des Lebens nach und weil dieses eines der schönsten und zugleich bittersüßesten Ereignisse im Auf und Ab der ewigen Gezeiten der Emotionen darstellt, habe ich mich heute dafür entschieden.

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