Springer bringt französische Regionalzeitungen in Bedrängnis
Mai 20th, 2007 | By admin | Category: WirtschaftFrankreich lässt sich Zeit beim Ausbau der Vertriebsnetze
Die Verleger französischer Regionalzeitungen fürchten den Einstieg des Axel-Springer-Verlags http://www.axel-springer.de mit einer überregionalen Tageszeitung im Boulevard-Stil. Springer-Vorstand Mathias Döpfner kündigte an, im Sommer Entscheidungen über die Details für die geplante Publikation zu fällen. Der Mutter-Verlag in Deutschland investiert für drei Jahre 120 Mio. Euro in die Tageszeitung und strebt für den Anfang eine Auflage von 500.000 Exemplaren an. “Wir spielen nicht in derselben Liga wie Springer, der bei jedem seiner Projekte noch eine Null hinzufügt”, sagt Frederic Aurand, Geschäftsführer des Verlags Groupe Hersant Media (GHM), der 31 Regionaltitel besitzt, gegenüber Le Monde.
Die Befürchtung der regionalen Verleger ist nicht unbegründet. In Polen, wo der Springer-Verlag seit 2003 aktiv ist und das Boulevardblatt Fakt auf den Markt gebracht hat, verursachte der Einstieg Springers den Rückgang der Auflage regionaler Tageszeitungen um zehn Prozent. Damit Springers französische Bild aber erfolgreich wird, muss die Anzahl der Verkaufsstellen um weitere 10.000 erhöht werden. Das Pariser Vertriebsunternehmen Nouvelles Messageries de la presse parisienne (NMPP) http://www.nmpp.fr bot Springer indes 30.000 Verkaufsstellen an. In Frankreich verfügt jede regionale Tageszeitung über ein eigenes Vertriebsnetz.
Die Tageszeitung Sud-Ouest beansprucht bis zu 4.000 Verkaufsstellen in der Region Aquitaine. “Wir beobachten sehr genau, was sich bezüglich Bild und Le Parisien tut”, sagt Jean-Micheal Audineau, stellvertretender Geschäftsführer des in Bordeaux ansässigen Verlags. Die Herausgeber der Zeitung Le Parisien-Aufourd’hui tüfteln derzeit ebenfalls an einer neuen Tageszeitung, die bald auf den Markt kommen soll.
Die geplante Springer-Zeitung wird in Frankreich aber nicht nur negativ wahrgenommen. Dass eine mächtige Printmediengruppe daran glaube, eine Kaufzeitung hier aufbauen zu können, sei laut Jean-Marie Colombani, Vorstandsvorsitzender der Le-Monde-Gruppe, eine gute Nachricht. “Die Zeitungsvertriebe angefangen beim NMPP stehen dadurch unter Zugzwang, die Aushändigung und Modernisierung der Vertriebsnetze zu beschleunigen - etwas, was wir unaufhörlich fordern”, betont Colombani.





